Biologische Invasionen
Die Welt ist ein Dorf geworden und das gilt nicht nur fürs Wirtschaftliche, sondern besonders auch für die Biologie. Tier- und Pflanzenarten, die es bisher nur in bestimmten Gegenden gab, verbreiten sich weltweit. So ist das schwarze Eichhörnchen in deutschen Wäldern heimisch, obwohl es eigentlich nach Amerika gehört und unter den Schuhen der reiselustigen Deutschen findet auch so manche Pflanzenart ihren Weg in die Parks und Gärten des Rhein-Neckar Raums.
Schönheit oder Bedrohung
Bei Pflanzen heißen die Aus- und Übersiedler Neophyten (von griechisch “neu” und “Pflanze”) und können zu einer regelrechten Plage werden. Ein Beispiel ist der Oxalis, der eigentlich in Südafrika und Südamerika beheimatet, inzwischen auch bei uns beliebt und berühmt ist – als dekorative Zimmerpflanze oder auch im Garten und Beet. Er blüht lange, in vielen bunten Farben und unterschiedlichen Blütenformen, was ihn sehr dekorativ macht. Der deutsche Name ist Sauerklee und er gehört in seinen exotischen Ausprägungen zu den gefürchteten Neophyten. In den zahlreichen Parks in Karlsruhe wird regelrecht Jagd auf ihn gemacht. Das Problem der zugereisten Blumen und Pflanzen ist, dass sie indigene, also einheimische Pflanzen verdrängen können. Das ist zum einen für die betreffende Pflanze schlimm, des Weiteren wirkt sich das aber auch auf das gesamte Ökosystem aus. Denn schon das Fehlen einer Art kann das empfindliche biologische Gleichgewicht durcheinander bringen und zahlreiche weitere Arten gefährden. Die direkten Konkurrenten des Oxalis, sei es in Bezug auf Wasser, der Nährstoffe, die im Boden sind, oder einfach dem Lebensraum an der Sonne, wären dann also nicht die einzigen, die leiden müssten oder sogar ausgemerzt werden würden.
Invasive Tierarten
Bei den Tieren können die Folgen noch dramatischer sein. Das oben erwähnte, aus den Staaten zugewanderte, schwarze Eichhörnchen verdrängt das heimische Rote völlig, da es stärker und größer ist. Es nimmt dem kleinen Roten aber nicht nur die Nahrung weg, sondern bekämpft es auch aktiv. Ähnlich verhält es sich mit anderen Tierarten, wie der Bisamratte. Ein besonderes Beispiel für die Gefahren, die von einem zugereisten Tierchen ausgehen können, gibt die chinesische Wollhandkrabbe ab. Sie ist per Schiff angereist und bevölkert Meere, Flussmündungen und Brackwassergebiete, da sie sich hervorragend an den Salzgehalt des Gewässers anpassen kann. Die größte Gefahr ist aber ihre Leidenschaft zum fleißigen Graben von Gängen. Damit unterhöhlt sie Dämme und auch die Deiche großer, hochwassergefährdeter Flüsse wie dem Rhein. So wird das kleine Tier aus Fernost nicht nur zu einer akuten Bedrohung für andere Krabben, sondern selbst auch für den Menschen und seine Zivilisation.